Archiv 2026
Vortrag zum Holocaustgedenktag
„Was ist Antisemitismus?“
Vor einem vollbesetzten Dülmener VHS-Forum „Alte Sparkasse“ referierte am 28. Januar 2026 Prof. Rüdiger Robert über die vielfältigen Formen des Antisemitismus in Vergangenheit und Gegenwart. „Doch was ist eigentlich Antisemitismus?“, so seine Eingangsfrage. Und weiter: „Seit wann gibt es Antisemitismus? Woran können wir Antisemitismus erkennen? Welche Formen nimmt Antisemitismus an? Was sind die Ursachen von Antisemitismus? Was können wir gegen Antisemitismus tun? Und was wird gegen Antisemitismus getan?“
Prof. Robert, emeritierter Politikwissenschaftler, schlug den Bogen von antiken Formen der Judenverachtung über das frühe Christentum und Mittelalter bis in die Neuzeit und Gegenwart. Es schilderte Varianten des „klassischen“ sowie des „modernen“ Antisemitismus. Typisch sei immer, jüdische Menschen im Kollektiv zu sehen und ihnen ein unsoziales Handeln und zielgerichtete Verschwörung zu unterstellen.
In einem zweiten Teil des spannenden Vortrags, der mit zahlreichen Bild- und Tabellenfolien unterlegt wurde, war der Ausblick auf politisches Handeln der deutschen Antisemitismusbeauftragten von Bund und Ländern und auf die vor allem schulischen Projekte und politisch-pädagogischen Maßnahmen vor Ort, um Antisemitismus zu entlarven und zu bekämpfen. Und dabei sei auch der historische Rückblick und die Vermittlung von Geschichtswissen unabdingbar.
Die Erinnerung an den Holocaust, so Bürgermeister Carsten Hövekamp in seiner Begrüßung, müsse auch in die Zukunft und zu den nachwachsenden Generationen getragen werden. Er sei stolz darauf, dass sich gerade in Dülmen so viele junge Menschen mit dem Gedenken an den Holocaust befassen. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktages vom „Cuarteto Repentio“.
Waggon-AG: Erinnerungskultur lebendig gestalten
Die Waggon-AG der Alexander-Lebenstein-Realschule in Haltern setzt sich aktiv mit Erinnerungskultur auseinander und leistet insbesondere rund um den Holocaustgedenktag einen wichtigen Beitrag zur historischen Bildung. In einem umgebauten Eisenbahnwaggon beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler mit Fragen von Ausgrenzung, Verantwortung und Menschlichkeit und machen Geschichte als Lern- und Erfahrungsraum zugänglich. Die aktuelle Ausstellung greift Themen des Holocaustgedenkens auf und verbindet historische Ereignisse mit persönlichen und kreativen Zugängen. Durch künstlerische Arbeiten, Texte und Installationen setzen sich die Jugendlichen mit Erinnerung und Gegenwart auseinander und zeigen, wie wichtig aktives Gedenken auch heute ist. Die Schule trägt den Namen Alexander Lebenstein, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, der sich zeitlebens für Versöhnung und Menschlichkeit einsetzte. Sein Vermächtnis prägt die Schulgemeinschaft und findet in der Arbeit der Waggon-AG eine sichtbare Fortsetzung.
Weitere Informationen zur Waggon-AG und zur Ausstellung finden sich unter:
alexander-lebenstein-realschule.de/ags/waggon/
„Jeder Name zählt“
Digitales Denkmal für die NS-Opfer.
Ein besonderes Projekt der Erinnerungskultur wurde von den „Arolsen Archives“ ins Leben gerufen: Unter #everynamecounts ist jeder Interessierte eingeladen, die Namen und Daten von Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus zu erfassen. „So beschäftigst du dich aktiv mit der Vergangenheit und setzt ein Zeichen für Respekt, Vielfalt und Demokratie heute“, meinen die Verantwortlichen. Die „Arolsen Archives – International Center on Nazi Persecution“ sind das internationale Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit größten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Organisation hat ihren Sitz in der nordhessischen Stadt Bad Arolsen. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört seit Juni 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet verschiedenste Arten von Dokumenten zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes, zur Zwangsarbeit sowie zu „Displaced Persons“ und Migranten nach 1945.
Die Dokumente im Arolsen-Archiv, in denen die Schicksale der 17,5 Millionen Menschen belegt werden, sind bereits eingescannt. Um sie aber in einem im Aufbau befindlichen Online-Archiv weltweit auffindbar und sichtbar zu machen, müssen die (ursprünglich handschriftlich oder mittels Schreibmaschine erfassten) Informationen in eine Datenbank eingetragen werden – mit der Hilfe Freiwilliger. Bisher haben über 400.000 freiwillige Unterstützer und Unterstützerinnen geholfen; mehr als 10 Millionen Dokumente sind so schon bearbeitet worden. Wer mitmachen möchte, braucht dafür einen Internetzugang und einen Bildschirm. Hilfreich ist das Format eines Tablets oder größer, aber auch mobil ist die Eingabe gut möglich. Schon 5 Minuten reichen für ein Dokument, das so zu einem neuen Baustein im digitalen Denkmal wird.
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